Brustregionen

Obere und untere Brust trainieren: gezielte Übungen für zuhause

Der Brustmuskel ist ein großer Fächer mit drei Anteilen. Oben und unten lassen sich über den Drückwinkel etwas stärker betonen, ganz trennen lassen sie sich nicht. Hier erfährst du, was die Studien dazu zeigen, mit welchen Übungen du obere und untere Brust zuhause ohne Hantelbank trainierst und warum es die „innere Brust“ als eigenen Trainingsbereich nicht gibt.

Brust & Oberkörper 10 Min. Lesezeit Aktualisiert am
Sportler drückt den Kraftbogen vor der Brust zusammen, Brustmuskel angespannt

Das Wichtigste in Kürze

  • Der große Brustmuskel hat drei Anteile: oben am Schlüsselbein, mittig am Brustbein und unten an der Bauchmuskelscheide. Alle laufen fächerförmig zum Oberarm.
  • In einer EMG-Studie mit 30 Trainierten war der obere Anteil bei 30 Grad Schrägbank am aktivsten. Ab 45 Grad übernahm zunehmend die vordere Schulter.
  • Der untere Anteil arbeitete bei flachem und leicht negativem Drücken stärker als bei Schrägbankdrücken.
  • Zuhause gilt: Füße erhöht betont eher oben, Hände erhöht und Dips drücken in Richtung unten. Eine Basis-Drückübung trainiert immer alle drei Anteile mit.
  • Eine „innere Brust“ lässt sich nicht isoliert trainieren. Die Mitte wird sichtbarer, wenn der ganze Muskel dicker wird.

Brustmuskel trainieren: So ist er aufgebaut

Der große Brustmuskel (Musculus pectoralis major) entspringt an drei Stellen. Der obere Anteil (Pars clavicularis) beginnt an der inneren Hälfte des Schlüsselbeins. Der mittlere Anteil (Pars sternocostalis) kommt vom Brustbein und den Rippenknorpeln. Der kleine untere Anteil (Pars abdominalis) setzt an der Sehnenscheide der geraden Bauchmuskeln an. Alle drei Anteile laufen fächerförmig zur Seite und treffen sich in einer breiten Sehne am Oberarm.

Aus dem Faserverlauf ergibt sich die Arbeitsteilung. Die oberen Fasern ziehen schräg nach oben zum Schlüsselbein und helfen, den Arm nach vorne oben zu heben. Die mittleren und unteren Fasern ziehen eher waagerecht bis schräg nach unten und bringen einen erhobenen Arm nach vorne unten zurück. Gemeinsam führen alle Anteile den Arm vor dem Körper zusammen und drehen ihn nach innen. Genau diese Richtungen nutzt du, wenn du einzelne Bereiche betonen willst.

Die drei Anteile im Überblick
AnteilUrsprungArbeitet stärker bei
Obere Brust (Pars clavicularis)Schlüsselbein, innere HälfteDrücken schräg nach oben
Mittlere Brust (Pars sternocostalis)Brustbein und RippenknorpelDrücken nach vorne, Arme zusammenführen
Untere Brust (Pars abdominalis)Sehnenscheide der BauchmuskelnDrücken nach vorne und schräg nach unten

Was sich gezielt betonen lässt und was nicht

Rodríguez-Ridao und Kollegen haben bei 30 Trainierten die Muskelaktivität beim Bankdrücken auf fünf Bankneigungen gemessen. Der obere Anteil war bei 30 Grad am aktivsten. Der mittlere und der untere Anteil waren auf der flachen Bank am aktivsten und nahmen mit steigender Neigung ab. Ab 45 Grad stieg vor allem die Aktivität der vorderen Schulter, die Brust arbeitete weniger. Eine kleinere Studie von Arseneault und Kollegen fand für den unteren Anteil flaches und leicht negatives Drücken (minus 15 Grad) besser als Schrägbankdrücken mit 30 Grad, zwischen flach und negativ gab es aber keinen klaren Unterschied.

Dass sich eine Betonung auch im Wachstum zeigen kann, deutet eine Trainingsstudie von Chaves und Kollegen an. Untrainierte Männer drückten acht Wochen lang flach, schräg oder beides. Der obere Anteil wurde in der Schrägbank-Gruppe stärker dicker. Beim mittleren und unteren Anteil unterschieden sich die Gruppen nicht, alle legten zu.

Wichtig für zuhause: Die genannten Studien untersuchten Bankdrücken. Für Liegestütze gibt es kaum Messungen, die obere und untere Brust getrennt erfassen. Die Übertragung funktioniert über den Winkel zwischen Oberkörper und Drückrichtung. Liegestütze mit erhöhten Füßen ähneln dem Schrägbankdrücken, Liegestütze mit erhöhten Händen und Dips eher dem Negativdrücken.

Obere Brust trainieren zuhause ohne Geräte

  1. Decline-Liegestütz (Füße erhöht)

    Füße auf eine Treppenstufe, einen stabilen Stuhl oder das Sofa, Hände etwas breiter als schulterbreit. Der Körper bleibt eine Linie, die Brust senkt sich Richtung Boden knapp vor den Händen. In einer Messung trugen die Arme bei Füßen auf etwa 30 cm Höhe rund 70 % des Körpergewichts, auf etwa 60 cm rund 74 %, beim normalen Liegestütz rund 64 % (Wurm et al., 2010).

  2. Moderat bleiben

    Aus den Bankstudien lässt sich ableiten: Je steiler der Winkel, desto mehr arbeitet die vordere Schulter. Für die obere Brust reichen deshalb moderat erhöhte Füße. Wer die Füße sehr hoch stellt und die Hüfte anhebt, landet beim Pike-Liegestütz.

  3. Pike-Liegestütz als Schulterübung

    Po hoch, Körper wie ein umgedrehtes V, der Kopf senkt sich zwischen die Hände. Das ist vor allem eine Übung für die Schultern und keine Brustübung. Sie passt gut als Ergänzung, mehr dazu im Ratgeber Schultern trainieren zuhause.

  4. Drücken nach schräg oben mit dem Arm- und Brusttrainer

    Mit einem Brusttrainer wie dem Kraftbogen kannst du die Richtung des Brust-Squeeze verändern: Setze das Gerät etwas unterhalb der Brust an und führe die Griffe beim Zusammendrücken leicht nach oben vorne. Das überträgt das Prinzip des Schrägdrückens, eigene Messungen zu dieser Variante gibt es nicht. Halte die Schultern dabei unten und das Gesicht aus der Bewegungsrichtung.

Untere Brust trainieren zuhause

  1. Incline-Liegestütz (Hände erhöht)

    Hände auf eine stabile Tischkante, Fensterbank oder Treppenstufe. Die Drückrichtung zeigt jetzt relativ zum Oberkörper Richtung Füße, ähnlich wie beim Negativdrücken. Die Übung ist zugleich leichter: Mit den Händen auf etwa 30 cm Höhe trugen die Arme rund 55 % des Körpergewichts, auf etwa 60 cm rund 41 % (Wurm et al., 2010). Ideal für Einsteiger, für Fortgeschrittene eher mit langsamem Tempo oder als Abschluss.

  2. Dips zwischen zwei stabilen Stühlen

    Zwei schwere, gleich hohe Stühle ohne Rollen mit dem Rücken zueinander aufstellen, Hände vorne auf die Sitzflächen, direkt über den Stuhlbeinen. Oberkörper leicht nach vorne neigen und langsam absenken, bis die Oberarme etwa waagerecht sind. Zum Einstieg die Füße am Boden lassen und mit den Beinen mithelfen, später weniger. Die Bewegung drückt nach unten und betont damit den unteren Bereich.

  3. Drücken nach unten vorne mit dem Arm- und Brusttrainer

    Beim Kraftbogen entspricht das der engen Brustpresse mit dem inneren Griff: Hände vor dem unteren Brustbein, Ellbogen zeigen schräg nach unten, Griffe kräftig zusammendrücken und eine Sekunde halten. Wer das Gerät etwas tiefer hält und leicht nach unten vorne drückt, verstärkt die Richtung weiter.

  4. Klassischer und breiter Liegestütz

    Flaches Drücken war in den Studien für den unteren Anteil mindestens so gut wie negatives. Normale und breite Liegestütze gehören deshalb in jeden Plan für die untere Brust. Die Technik zeigt Liegestütze richtig machen.

Brust Übungen im Überblick: Region, Einstieg, Steigerung

Brustübungen für zuhause nach Schwerpunkt
ÜbungSchwerpunktEinstiegSteigerung
Decline-Liegestützobere BrustFüße auf TreppenstufeFüße auf Stuhlhöhe, 3 Sek. absenken
Brust-Squeeze schräg nach obenobere Brustäußere Stufe, 10–12 Wdh.eine Stufe nach innen
Klassischer oder breiter Liegestützganze Brust, betont Mitte und untenKnie am Boden oder Hände erhöhtan Push-Up-Griffen tiefer absinken
Brust-Squeeze auf Brusthöheganze Brustäußere StufeHalt von 1 bis 2 Sek. am Ende
Incline-Liegestützuntere Brust, leichterHände auf TischhöheHände niedriger, langsames Tempo
Dips zwischen Stühlenuntere Brust, TrizepsFüße am Boden, halbe Tiefeweniger Beinhilfe, mehr Tiefe
Enge Brustpresse nach unten vorneuntere Brustäußere Stufeinnere Stufe, 1 Sek. Halt
Pike-LiegestützSchulter, nicht BrustHände und Füße am BodenFüße erhöht

Eine Stufe steigerst du, wenn du in allen Sätzen die Obergrenze der Wiederholungen sauber schaffst. Wie du die Last Woche für Woche erhöhst, erklärt Progressive Overload zuhause. Mehr Stufen für Liegestütze findest du unter Liegestütz-Varianten, die passende Stufe am Gerät unter Widerstand einstellen.

Wochenplan: 2 bis 3 Einheiten mit Schwerpunkt

Trainiere die Brust zwei bis drei Mal pro Woche mit mindestens einem Ruhetag dazwischen, etwa Montag und Donnerstag oder Montag, Mittwoch und Freitag. Einheit A betont oben, Einheit B unten. Beide starten mit einer flachen Grundübung, damit der ganze Muskel genug Arbeit bekommt. Vorher 5 Minuten aufwärmen.

Einheit A: Schwerpunkt obere Brust
ÜbungSätze × Wdh.Pause
Klassischer Liegestütz2 × 8–1590 Sek.
Decline-Liegestütz3 × 8–1290 Sek.
Brust-Squeeze schräg nach oben (Kraftbogen)3 × 10–1260 Sek.
Pike-Liegestütz (optional, Schulter)2 × 6–1090 Sek.
Einheit B: Schwerpunkt untere Brust
ÜbungSätze × Wdh.Pause
Breiter Liegestütz2 × 8–1590 Sek.
Dips zwischen Stühlen oder Incline-Liegestütz3 × 6–1290 Sek.
Enge Brustpresse nach unten vorne (Kraftbogen)3 × 8–1260 Sek.
Incline-Liegestütz langsam (3 Sek. runter)1 × so viele wie sauber möglich–

Bei zwei Einheiten pro Woche trainierst du A und B je einmal und kommst auf 16 bis 17 Brustsätze. Bei drei Einheiten wechselst du ab: A, B, A und in der Folgewoche B, A, B. Ist dir das anfangs zu viel, streiche in jeder Einheit den dritten Satz der zweiten und dritten Übung. Wie viel Volumen für Muskelaufbau sinnvoll ist, liest du in Brusttraining zuhause.

Innere Brust trainieren zuhause: Mythos und Wahrheit

Viele wünschen sich eine deutlichere Linie in der Brustmitte und suchen nach Übungen für die „innere Brust“. Einen eigenen inneren Muskelteil gibt es aber nicht. Die Fasern aller drei Anteile laufen vom Brustbein beziehungsweise Schlüsselbein seitlich bis zum Oberarm. Die Studien unterscheiden deshalb oben, Mitte und unten, eine gezielte Aktivierung nur des brustbeinnahen Teils ist nicht belegt.

Wie deutlich die Mitte aussieht, hängt vor allem davon ab, wie dick der gesamte Muskel ist und wie viel Fett darüberliegt. Die Form des Ansatzes am Brustbein ist anatomisch vorgegeben. Übungen mit starkem Zusammendrücken wie der Brust-Squeeze fühlen sich in der Mitte intensiv an und sind sinnvoll, weil sie die Brust am Ende der Bewegung unter Spannung halten. Sie trainieren aber den ganzen Muskel, nicht nur die Mitte.

Brust trainieren zuhause als Frau

Frauen brauchen kein anderes Brusttraining. Die Übungen, Winkel und Steigerungen in diesem Ratgeber gelten genauso. Trainiert wird der große Brustmuskel, der unter dem Brustgewebe liegt. Das Brustgewebe selbst besteht nicht aus Muskulatur und wird deshalb nicht direkt trainiert. Eine Meta-Analyse von Refalo und Kollegen fand, dass Frauen im Verhältnis zu ihrem Ausgangswert ähnlich viel Muskel aufbauen wie Männer.

Für den Einstieg eignen sich Incline-Liegestütze an Tisch oder Arbeitsplatte, Liegestütze auf den Knien und der Brust-Squeeze in der äußeren Stufe. Einen kompletten Plan für Arme, Schultern, Rücken und Brust findest du im Ratgeber Oberkörpertraining für Frauen.

Häufige Fehler beim gezielten Brusttraining

  • Nur noch Winkel, keine Grundübung: Wer nur Varianten für oben oder unten macht, trainiert den Großteil des Muskels zu wenig. Flaches Drücken bleibt die Basis.
  • Zu steiler Winkel für die obere Brust: Sehr hoch gestellte Füße verschieben die Arbeit auf die Schulter. Moderat bleiben.
  • Dips zu tief und mit Schwung: Das belastet die vordere Schulter. Langsam absenken, nur so tief wie schmerzfrei.
  • Hüfte hängt durch: Bei Decline- und Incline-Liegestützen bleibt der Körper eine Linie, sonst ist die Variante zu schwer.
  • Ungleich eingestellter Brusttrainer: Beide Seiten des Kraftbogens gehören immer auf dieselbe Stufe.
  • Pressatmung: Beim Drücken ausatmen, beim Nachgeben einatmen. Die Luft anzuhalten treibt den Blutdruck unnötig hoch.
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Häufige Fragen

Mit Übungen, bei denen du nach vorne unten drückst: Dips zwischen stabilen Stühlen, Liegestütze mit erhöhten Händen und die enge Brustpresse am Brusttrainer mit Ellbogen schräg nach unten. Auch flache Liegestütze gehören dazu, denn flaches Drücken aktivierte den unteren Anteil in Studien mindestens so stark wie negatives.

Mit Liegestützen, bei denen die Füße auf einer Treppenstufe, einem Stuhl oder dem Sofa liegen. Das ähnelt dem Schrägbankdrücken, bei dem der obere Anteil in einer Studie bei 30 Grad am stärksten arbeitete. Stell die Füße nicht zu hoch, sonst übernimmt zunehmend die Schulter.

Eine einzelne beste Übung gibt es nicht. Für Muskelaufbau zählt vor allem, dass die Sätze fordernd sind und du die Übung über die Wochen steigerst. Sinnvoll ist ein Trio aus flachem Drücken (Liegestütz), Schrägdrücken (Liegestütz mit erhöhten Füßen) und einer Zusammenführbewegung wie dem Brust-Squeeze. So deckst du alle drei Anteile und beide Hauptaufgaben des Brustmuskels ab, auch ganz ohne Geräte.

Nein. Die Fasern laufen vom Brustbein bis zum Oberarm, einen eigenen inneren Teil gibt es nicht. Die Mitte wirkt deutlicher, wenn der ganze Brustmuskel dicker wird und weniger Körperfett darüberliegt.

Das Brustgewebe liegt über dem Brustmuskel und besteht nicht aus Muskulatur. Training kann es deshalb nicht straffen oder anheben. Du stärkst damit den Muskel darunter und trainierst für eine aufrechte Haltung, ein bestimmtes optisches Ergebnis lässt sich aber nicht versprechen.

Ja. Eine Meta-Analyse fand, dass Frauen im Verhältnis zu ihrem Ausgangswert ähnlich viel Muskel aufbauen wie Männer. Es gelten dieselben Übungen und Prinzipien, ein eigenes Frauen-Training ist nicht nötig.

Im Studio sind es vor allem Hantelbank, Kabelzug und Brustpresse. Zuhause reichen Körpergewicht und wenige kompakte Hilfen: ein Arm- und Brusttrainer mit Federwiderstand wie der Kraftbogen, Liegestützgriffe für mehr Bewegungsumfang und Widerstandsbänder. Welche Brusttrainer es gibt, vergleicht der Ratgeber Brusttrainer für zuhause.

Quellen

  1. Kenhub: Pectoralis major muscle (Anatomie, Ursprünge, Faserverlauf, Funktion)
  2. Rodríguez-Ridao et al. (2020): Effect of Five Bench Inclinations on the Electromyographic Activity of the Pectoralis Major, Anterior Deltoid, and Triceps Brachii during the Bench Press Exercise. Int J Environ Res Public Health
  3. Arseneault, Roy & Sercia (2021): The Effect of 12 Variations of the Bench Press Exercise on the EMG Activity of Three Heads of the Pectoralis Major. Int J Strength Cond
  4. Chaves et al. (2020): Effects of Horizontal and Incline Bench Press on Neuromuscular Adaptations in Untrained Young Men. Int J Exerc Sci
  5. Wurm et al. (2010): Kinetic Analysis of Several Variations of Push-Ups. ISBS Conference Proceedings
  6. Refalo et al. (2025): Sex differences in absolute and relative changes in muscle size following resistance training in healthy adults: a systematic review with Bayesian meta-analysis. PeerJ

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Schmerzen, Vorerkrankungen oder Unsicherheit sprich vor dem Training mit einer Ärztin oder einem Arzt.

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