Liegestützgriffe

Liegestützgriffe: Sinnvoll? Vorteile, 8 Übungen und ein Plan

Liegestützgriffe, auch Push-up-Bars oder einfach Griffe für Liegestütze genannt, sehen unscheinbar aus, verändern den Liegestütz aber an zwei Stellen spürbar: Dein Handgelenk bleibt gerade, und du kannst tiefer absinken als am Boden. Hier erfährst du, wann Griffe sinnvoll sind und wann nicht, was Studien dazu sagen, welches Material zu dir passt und mit welchen 8 Übungen und welchem 4-Wochen-Plan du sie wirklich nutzt.

Brust & Oberkörper 11 Min. Lesezeit Aktualisiert am
Zwei I-förmige Liegestützgriffe mit roten Schaumstoffgriffen auf hellem Grund

Das Wichtigste in Kürze

  • Mit Griffen bleibt das Handgelenk gerade statt stark überstreckt. Eine Messung zeigte, dass die Kräfte im Handgelenk dabei anders verteilt werden, die Autoren halten die neutrale Position für wahrscheinlich sicherer.
  • Griffe heben die Hände an. Dadurch kannst du tiefer absinken als am Boden und die Brust arbeitet in einer stärker gedehnten Position.
  • Mehr Muskelaktivität bringen Griffe allein nicht: In einer Studie mit drehbaren Griffen war die Aktivität von Brust, Trizeps und Schulter nicht höher als am Boden.
  • Der Nutzen liegt in Komfort, Tiefe und mehr Varianten. Wer am Boden ohne Beschwerden trainiert, braucht keine Griffe, kann damit aber schwerere Varianten bauen.

Was Liegestützgriffe am Liegestütz ändern

Die Bewegung selbst bleibt ein Liegestütz: Brust, Trizeps und vordere Schulter drücken, Bauch und Po halten den Körper gerade. Wie das technisch sauber aussieht, erklärt Liegestütze richtig machen. Griffe verändern zwei Dinge, die am Boden fest vorgegeben sind: den Winkel im Handgelenk und die Tiefe, bis zu der du absinken kannst.

  1. Gerades Handgelenk

    Am Boden liegt die Handfläche flach auf, das Handgelenk steht stark nach hinten abgeknickt. Am Griff umfasst du einen Bügel, Unterarm und Handrücken bilden eine Linie. Polovinets und Kollegen haben beide Varianten mit Kraftmessplatten und Bewegungsanalyse verglichen: Im überstreckten Handgelenk liefen die Kräfte stärker Richtung Handrücken, über eine größere Fläche und mehr zur Kleinfingerseite. Die Autoren halten Liegestütze mit neutralem Handgelenk für wahrscheinlich sicherer, weil in der Überstreckung die Bänder stärker beansprucht werden könnten.

  2. Mehr Tiefe

    Am Boden ist Schluss, wenn die Brust den Boden berührt. Auf Griffen stehen die Hände einige Zentimeter höher, die Brust kann also zwischen den Griffen tiefer sinken. Schultern und Brust werden dabei in eine stärker gedehnte Position geführt. Das macht die Übung schwerer und ist gleichzeitig der Grund, sich an die neue Tiefe langsam heranzutasten.

  3. Neue Varianten

    Mit festen Griffen werden Übungen möglich oder bequemer, die am Boden kaum gehen: Deficit-Liegestütze, tiefere Pike-Liegestütze oder ein Stütz mit Knieheben.

Sind Liegestützgriffe sinnvoll? Für wen sie sich lohnen

Griffe sind kein Muss. Sie lösen aber ein paar typische Probleme beim Training zuhause. Ob sie für dich sinnvoll sind, hängt davon ab, wo du gerade stehst:

  • Sinnvoll, wenn dir am Boden die Handgelenke unangenehm werden, du Liegestütze durch mehr Tiefe schwerer machen willst oder du Varianten wie Deficit und Pike mit mehr Bewegungsweg trainieren möchtest.
  • Sinnvoll, wenn du auf einem harten oder rauen Boden trainierst und die Handflächen nicht direkt aufsetzen willst.
  • Weniger wichtig, wenn du noch an Wand oder Tisch übst. Dort ist das Handgelenk ohnehin weniger abgeknickt, und die erhöhten Varianten sind der bessere Einstieg.
  • Nicht nötig, wenn du am Boden beschwerdefrei trainierst und dir die volle Tiefe bis zum Boden als Reiz noch reicht.

Ein Punkt ist offen: Ob die zusätzliche Tiefe automatisch mehr Muskelwachstum an der Brust bringt, ist nicht eindeutig belegt. Übersichtsarbeiten zeigen Vorteile eines vollen Bewegungsumfangs vor allem für die Kraft und für die Beinmuskulatur. Für den Oberkörper ist die Datenlage laut Schoenfeld und Grgic begrenzt und widersprüchlich. Dass Liegestütze an sich für Muskelaufbau taugen, zeigt dagegen eine Studie von Kikuchi und Nakazato: Über acht Wochen brachten sie ähnliche Zuwächse an Brust- und Trizepsdicke wie Bankdrücken mit 40 % der Maximallast. Sicher ist also: Mehr Tiefe macht denselben Liegestütz schwerer, und schwere Sätze sind der Hebel für Fortschritt.

Liegestütz mit oder ohne Griffe: der Vergleich

Liegestütz am Boden und an Liegestützgriffen im Vergleich
KriteriumOhne Griffe (Boden)Mit Liegestützgriffen
Handgelenkstark nach hinten abgeknicktgerade, Unterarm und Hand in einer Linie
Tiefebis die Brust den Boden berührttiefer möglich, Brust sinkt zwischen die Griffe
SchwierigkeitGrundvariantebei voller Tiefe schwerer als am Boden
Muskelaktivitäthoch in Brust, Trizeps und Schulterin einer Studie nicht höher als am Boden
Untergrundfast überall, auch auf Mattefester, ebener, rutschfester Boden nötig
Variantenalle Grundvariantenzusätzlich Deficit, tiefere Pike, Stütz mit Knieheben
Mitnehmennichts nötigkleines, kompaktes Zubehör nötig

Die ehrliche Antwort auf „Liegestütz mit oder ohne Griffe?“ lautet deshalb: beides. Eine sinnvolle Aufteilung ist, die Grundvariante am Boden zu trainieren und die Griffe für die schweren Sätze oder an Tagen zu nehmen, an denen die Handgelenke empfindlich sind. Mehr Varianten ohne Griffe findest du im Ratgeber Liegestütz-Varianten.

Holz, Metall mit Schaumstoff oder drehbar: welches Material passt?

Bei Liegestützgriffen gibt es drei verbreitete Bauarten. Keine ist grundsätzlich besser, sie fühlen sich nur unterschiedlich an. Entscheidend ist, dass die Griffe fest stehen und gut in deiner Hand liegen.

Bauarten von Liegestützgriffen
BauartGriffgefühlWorauf du achten solltest
Liegestützgriffe aus Holzdirekter, harter Griff ohne Polsterglatte, splitterfreie Oberfläche, breite Standfläche, rutschfeste Unterseite
Metall oder Kunststoff mit Schaumstoffgriffweicher, gepolsterter Grifffester Sitz der Schaumstoffhülle, rutschfeste Füße
Drehbare GriffeHand dreht beim Absenken mitfür Stütz- und Halteübungen weniger stabil, laut Studie keine höhere Muskelaktivität

8 Übungen für Liegestütze mit Griffen

Die folgenden Übungen sind nach Schwierigkeit sortiert. Starte bei den ersten drei und nimm die schwereren erst dazu, wenn du die Grundvariante an den Griffen in voller Tiefe sauber beherrschst. „Einstieg“ nennt eine sinnvolle erste Vorgabe, die letzten zwei Wiederholungen sollen spürbar schwer sein.

Liegestützgriffe Übungen: Muskeln und Einstieg
ÜbungHauptmuskelnEinstiegAusführung
1. Liegestütz an GriffenBrust, Trizeps, vordere Schulter3 × 6–12Griffe etwas breiter als schulterbreit unter der unteren Brust, absenken bis die Brust auf Griffhöhe ist
2. Plank-Hold im HochstützBauch, Schultergürtel3 × 20–40 Sek.Arme gestreckt auf den Griffen, Körper eine Linie, ruhig weiteratmen
3. Enger LiegestützTrizeps, Brust3 × 6–10Griffe etwa schulterbreit oder etwas enger, Ellbogen streifen am Körper
4. Breiter LiegestützBrust, vordere Schulter3 × 6–12Griffe deutlich breiter, nur so breit, wie die Schulter es angenehm zulässt
5. Füße erhöht an Griffenobere Brust, Schulter, Trizeps3 × 6–10Füße auf stabilem Stuhl oder Sofa, Griffe fest am Boden
6. Deficit-LiegestützBrust in gedehnter Position, Trizeps3 × 5–8Brust sinkt unter Griffhöhe, 3 Sek. absenken, 1 Sek. Pause unten
7. Pike-Liegestütz an GriffenSchulter, Trizeps3 × 5–8Po hoch wie ein umgedrehtes V, Kopf sinkt zwischen die Griffe
8. Stütz mit KniehebenTrizeps, Schultergürtel, Bauch, Hüftbeuger4 × 5–10 Sek.zwischen den Griffen sitzen, Arme strecken, Po abheben, dann ein oder beide Knie anziehen

Die enge Variante nutzt einen Befund aus der Studie von Youdas und Kollegen: Die enge Handposition hat den Trizeps am stärksten gefordert. Für die obere Brust eignet sich aus dieser Liste vor allem der Liegestütz mit erhöhten Füßen, mehr dazu im Ratgeber obere und untere Brust trainieren.

Typische Fehler mit Push-up-Bars

Fehler, Folge, Korrektur
FehlerFolgeKorrektur
Griff in den Fingern statt in der HandflächeHandgelenk knickt trotzdem abBügel mittig in die Handfläche, Handgelenk gerade
Griffe vor dem Gesichtmehr Last auf der vorderen SchulterGriffe auf Höhe der unteren Brust
Griffe nicht parallelHände drehen weg, Griffe können kippenGriffe gerade ausrichten, nach jedem Satz kurz prüfen
Tiefe verschenktnur Bodenniveau, kein Vorteil der Griffekontrolliert bis Brust auf Griffhöhe oder tiefer
Zu schnell zu tiefSchulter wird ungewohnt stark gedehntTiefe über Wochen steigern, langsam absenken
Weiche, dicke UnterlageGriffe sinken ein und wackelndirekt auf festen, ebenen Boden stellen

Sicher trainieren mit Liegestützgriffen

  • Untergrund: Stell die Griffe auf einen festen, ebenen und rutschfesten Boden. Dicke, weiche Matten oder Teppiche können nachgeben.
  • Nicht kippen lassen: Drück senkrecht nach unten, nicht schräg nach außen. Beim Aufstehen erst die Knie absetzen, dann die Hände lösen.
  • Aufwärmen: Handgelenke kreisen, ein lockerer Satz an Wand oder Tisch, dann erst die tiefen Varianten. Ideen dazu im Ratgeber Aufwärmen vor dem Training.
  • Atmen: Beim Absenken ein-, beim Hochdrücken ausatmen und auch beim Plank-Hold weiteratmen. Wer Bluthochdruck hat, hält die Luft bei keiner Übung an und klärt Halteübungen im Zweifel ärztlich ab.
  • Schmerz: Stechende Schmerzen in Schulter, Ellbogen oder Handgelenk sind ein Grund, die Übung abzubrechen. Halten Beschwerden an, lass sie ärztlich oder physiotherapeutisch abklären.

4-Wochen-Progression mit Liegestützgriffen

Trainiere zwei bis drei Mal pro Woche mit mindestens einem Ruhetag dazwischen. Der Plan setzt voraus, dass du etwa 6 saubere Liegestütze am Boden schaffst. Wenn nicht, beginne mit den erhöhten Varianten aus Liegestütze richtig machen.

Liegestützgriffe: 4-Wochen-Plan, 2 bis 3 Einheiten pro Woche
WocheFokusÜbungen (Sätze × Wdh.)Weiter, wenn
1GewöhnenLiegestütz an Griffen 3 × 6–10 bis Brust auf Griffhöhe · Plank-Hold 3 × 20 Sek.alle Sätze sauber, Handgelenk gerade
2TiefeLiegestütz an Griffen 3 × 8–12, etwas tiefer · Enger Liegestütz 2 × 6–10 · Plank-Hold 3 × 30 Sek.volle Tiefe ohne Ziehen in der Schulter
3VariantenDeficit-Liegestütz 3 × 5–8 · Breiter Liegestütz 2 × 8–12 · Pike 2 × 5–8 · Stütz mit Po-Heben 4 × 5–10 Sek.Deficit mit 3 Sek. Absenken sauber
4SteigernFüße erhöht 3 × 6–10 · Deficit-Liegestütz 3 × 6–10 · Enger Liegestütz 2 × 8–12 · Plank-Hold 2 × 40 Sek.weiter mit schwereren Varianten oder Tempo

Pausiere 60 bis 90 Sekunden zwischen den Sätzen. Schaffst du die obere Wiederholungszahl in allen Sätzen, steigerst du im nächsten Training: mehr Tiefe, langsameres Absenken oder die nächste Übung aus der Tabelle. Wie du Fortschritt ohne schwere Gewichte planst, liest du in Progressive Overload zuhause.

Liegestütze sind eine Drückbewegung. Oben, mit fast gestreckten Armen, lässt die Spannung in der Brust nach. Eine gute Ergänzung ist deshalb eine Zusammenführbewegung wie der Brust-Squeeze am Kraftbogen, zum Beispiel 2 × 10–12 im Anschluss an die Liegestütze. Einen kompletten Brustplan findest du im Ratgeber Brusttraining zuhause, eine kurze Einheit für volle Tage im Brust-Workout in 10 Minuten.

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Häufige Fragen

Ja, wenn dir am Boden die Handgelenke unangenehm werden oder du Liegestütze durch mehr Tiefe schwerer machen willst. Mit Griffen bleibt das Handgelenk gerade und du kannst tiefer absinken. Mehr Muskelaktivität bringen die Griffe laut einer Studie allerdings nicht von selbst, entscheidend bleiben harte, saubere Sätze.

Beides hat seinen Platz. Ohne Griffe trainierst du überall und ohne Zubehör, mit Griffen hältst du die Handgelenke gerade und gewinnst Tiefe. Du kannst die Grundvariante am Boden machen und die Griffe für die schweren Sätze nutzen.

Nicht automatisch. Eine Studie mit drehbaren Griffen fand keine höhere Aktivität von Brust, Trizeps und Schulter als beim Liegestütz am Boden. Der Vorteil liegt im geraden Handgelenk und im größeren Bewegungsweg, der die Übung schwerer machen kann.

Das ist vor allem eine Frage des Griffgefühls. Holz fühlt sich direkt und hart an, Schaumstoff weicher, was sich bei längeren Halteübungen angenehmer anfühlen kann. Wichtiger als das Material sind ein fester Stand, eine rutschfeste Unterseite und ein Bügel, der gut in deiner Hand liegt.

Neben dem normalen Liegestütz eignen sich enge und breite Liegestütze, Liegestütze mit erhöhten Füßen, Deficit- und Pike-Liegestütze, der Plank-Hold im Hochstütz und mit festen, nicht drehbaren Griffen ein Stütz mit Knieheben. Starte mit den leichteren Varianten und steigere die Tiefe über mehrere Wochen.

In der Studie von Youdas und Kollegen brachten drehbare Griffe keine höhere Muskelaktivität als der Liegestütz am Boden. Für Halte- und Stützübungen sind feste Griffe stabiler.

Für Muskelaufbau musst du nicht täglich trainieren: Zwei bis drei fordernde Einheiten pro Woche mit mindestens einem Ruhetag dazwischen geben Brust, Schultern und Trizeps Zeit zur Erholung. Lockere tägliche Sätze mit deutlichem Abstand zum Muskelversagen sind möglich, solange nichts schmerzt. Wer jeden Tag bis an die Grenze geht, riskiert eher Überlastung als schnelleren Fortschritt.

Stell sie auf deinen Trainingsboden und drück mit dem Körpergewicht senkrecht und schräg dagegen. Sie dürfen weder kippeln noch rutschen, und der Bügel sollte mittig in deiner Handfläche liegen. Mach diesen kurzen Check vor jeder Einheit, besonders vor tiefen Varianten.

Quellen

  1. Polovinets, Wolf & Wollstein (2018): Force transmission through the wrist during performance of push-ups on a hyperextended and a neutral wrist. J Hand Ther
  2. Youdas et al. (2010): Vergleich der Muskelaktivierung beim Liegestütz am Boden und an drehbaren Liegestützgriffen. J Strength Cond Res
  3. Schoenfeld & Grgic (2020): Effects of range of motion on muscle development during resistance training interventions: A systematic review. SAGE Open Med
  4. Pallarés et al. (2021): Effects of range of motion on resistance training adaptations: A systematic review and meta-analysis. Scand J Med Sci Sports
  5. Kikuchi & Nakazato (2017): Low-load bench press and push-up induce similar muscle hypertrophy and strength gain. J Exerc Sci Fit

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Schmerzen, Vorerkrankungen oder Unsicherheit sprich vor dem Training mit einer Ärztin oder einem Arzt.

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