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Gynäkomastie oder Fett? Echte und Pseudogynäkomastie im Vergleich

Eine größere Brust beim Mann kann aus Fett bestehen, aus vergrößertem Drüsengewebe oder aus beidem. Der Unterschied entscheidet darüber, was hilft. Diese Seite erklärt ihn, ersetzt aber keine ärztliche Untersuchung.

Grundlagen 6 Min. Lesezeit Aktualisiert am
Titelkarte: Gynäkomastie oder Fett? Echte und Pseudogynäkomastie im Vergleich

Das Wichtigste in Kürze

  • Echte Gynäkomastie ist eine gutartige Vergrößerung des Drüsengewebes der männlichen Brust. Pseudogynäkomastie (auch Lipomastie) ist vermehrtes Fettgewebe ohne Drüsenvergrößerung.
  • Laut der Leitlinie der European Academy of Andrology (2019) ist Gynäkomastie häufig: je nach Alter und Definition 32 bis 65 %.
  • Bei Gynäkomastie im Erwachsenenalter findet eine gründliche Abklärung laut dieser Leitlinie in 45 bis 50 % der Fälle eine zugrunde liegende Ursache.
  • Training und ein Kaloriendefizit setzen nur am Fettanteil an. Gegen vergrößertes Drüsengewebe hilft Training nicht.

Der Unterschied in einer Tabelle

Echte Gynäkomastie und Pseudogynäkomastie
Echte GynäkomastiePseudogynäkomastie (Lipomastie)
Was ist vergrößert?Drüsengewebe der BrustFettgewebe
Typische UrsachenUngleichgewicht zwischen Östrogen- und Androgenwirkung, zum Beispiel in der Pubertät, im Alter, durch Medikamente oder ErkrankungenHöherer Körperfettanteil
Was hilft?Richtet sich nach der Ursache, ärztlich zu klärenKörperfett insgesamt senken, Brustmuskel trainieren
Hilft Training?Nein, nicht gegen das DrüsengewebeBeim Fettanteil ja, vor allem über den ganzen Körper

Wann du zum Arzt gehen solltest

Ob Drüse oder Fett, klärt eine ärztliche Untersuchung. Die Leitlinie der European Academy of Andrology beschreibt dafür eine gründliche Anamnese und die körperliche Untersuchung von Brust und Genitalbereich, je nach Befund ergänzt durch Laborwerte und Ultraschall. Ziel ist es, behandelbare Ursachen zu finden und die Gynäkomastie von anderen Knoten in der Brust abzugrenzen. Brustkrebs beim Mann ist deutlich seltener als eine gutartige Gynäkomastie, doch gerade deshalb gehört ein neuer Knoten in ärztliche Hände.

Was hinter einer echten Gynäkomastie stecken kann

Östrogene regen das Wachstum von Brustgewebe an, Androgene wie Testosteron bremsen es. Die meisten Fälle entstehen, wenn dieses Gleichgewicht kippt. Laut einer Übersichtsarbeit in Nature Reviews Endocrinology (2014) kommen dafür unter anderem infrage:

  • Pubertät: Hier bildet sich die Vergrößerung häufig von selbst zurück.
  • Medikamente: Manche Wirkstoffe können das Brustgewebe vergrößern. Setze Medikamente nie selbst ab, sondern sprich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
  • Hormonelle Ursachen und Erkrankungen: zum Beispiel ein Testosteronmangel oder eine Überfunktion der Schilddrüse.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache. Manchmal reicht Abwarten, manchmal wird die Ursache behandelt oder ein Medikament umgestellt, und wenn sich nichts zurückbildet, kann eine Operation infrage kommen. Das entscheidest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Pseudogynäkomastie: Was du selbst tun kannst

Besteht die Brust vor allem aus Fett, kannst du selbst ansetzen. Fett an der Brust verlierst du kaum gezielt dort, sondern vor allem über den ganzen Körper, durch ein Kaloriendefizit und Bewegung. Brusttraining baut den Brustmuskel darunter auf. Zusammen mit weniger Körperfett kann die Brust dadurch straffer wirken.

Wie das im Alltag aussieht, welche Studien es zu gezieltem Fettabbau gibt und welche Übungen sinnvoll sind, liest du in Männerbrust loswerden: Was Training kann und was nicht.

Häufige Fragen

Bei echter Gynäkomastie ist das Drüsengewebe der Brust vergrößert. Bei Lipomastie, auch Pseudogynäkomastie genannt, ist es vermehrtes Fettgewebe ohne Drüsenvergrößerung. Oft kommt beides zusammen vor; sicher unterscheiden kann das eine ärztliche Untersuchung.

Sicher nur durch eine ärztliche Untersuchung. Fühlst du einen festen, druckempfindlichen Knoten hinter der Brustwarze, ist nur eine Seite betroffen oder tritt Flüssigkeit aus, lass das ärztlich abklären. Das kann echte Gynäkomastie sein, und dagegen hilft Training nicht.

Den Fettanteil kaum gezielt an der Brust. Fett verlierst du vor allem über den ganzen Körper, durch ein Kaloriendefizit und Bewegung. Brusttraining baut den Muskel darunter auf; zusammen mit weniger Körperfett kann die Brust dadurch straffer wirken.

Die Leitlinie der European Academy of Andrology (2019) nennt je nach Alter und Definition 32 bis 65 %.

Die meisten Fälle sind gutartig. Sie kann aber mit einer Erkrankung oder einem Medikament zusammenhängen und muss von anderen Knoten in der Brust abgegrenzt werden. Deshalb gehört sie ärztlich abgeklärt.

Quellen

  1. Kanakis GA et al. (2019): EAA clinical practice guidelines – gynecomastia evaluation and management. Andrology. DOI 10.1111/andr.12636
  2. Narula HS, Carlson HE (2014): Gynaecomastia – pathophysiology, diagnosis and treatment. Nature Reviews Endocrinology. DOI 10.1038/nrendo.2014.139
  3. Braunstein GD (2007): Gynecomastia. New England Journal of Medicine. DOI 10.1056/NEJMcp070677

Dieser Ratgeber ersetzt keine ärztliche Beratung. Bei Schmerzen, Vorerkrankungen oder Unsicherheit sprich vor dem Training mit einer Ärztin oder einem Arzt.